08.28.2014
Die Drums auf "Grace" - Interview mit Friedemann

Die Drums auf

Bild: Friedemann auf dem Golden Leaves Festival // Copyright Stefan Holtzem


Friedemann Pruss ist erst seit April bei A FOREST, kurz vor der Tour zur Band gestoßen. Schnell wurde klar, dass Friedemann der perfect fit ist. Deswegen sollte er auch das Album einspielen. Und das hat er ganz formidabel gemacht. Wir haben mit Friedemann über seinen Background und die Ideen hinter dem Drumsound der Platte gesprochen.


Das Schlagzeug auf "Grace" wird ja recht präsent sein: trocken, ziemlich weit vorn. Hattest Du ein Vorbild für den Sound?

Ja, den Sound von Ahmir “Questlove” Thompson von “The Roots”. Ich habe mir vor den Aufnahmen tatsächlich noch einmal gezielt ein paar Aufnahmen angehört und Interviews mit ihm gelesen. Was den Sound betrifft, heißt das vor allem, die Drums sehr leicht anzuschlagen. Außerdem habe ich ein paar Details für die Präparierung des Equipments übernommen. Das Wichtigste war aber, einen möglichst “echten” Schlagzeugsound einzufangen, mit Groove und Feeling.

Was für Details für Dein Equipment waren das?

Zum Beispiel, dass die Snare zusätzlich über einen Gitarrenamp abgenommen und per analogem Kompressor bearbeitet wird, ein Markenzeichen von Questlove. Wir haben auch viel Zeit in das Ausprobieren verschiedener Abdämpftechniken der Felle investiert. Mit ausgeschnittenen Schlagzeugfellen, einem Woodblock und Tüchern dämpfen wir den Snaresound. Und das Ganze wird ohnehin sehr leicht angespielt. Bei der Bassdrum haben wir in den Kessel ein paar Ziegelsteine gepackt, um einen tieferen Sound zu erzeugen. Das habe ich zum ersten mal über John Bonham von Led Zeppelin gehört.

Gab es beim Equipment Dinge, die anders als sonst gemacht hast?

Ich bin ja Rockstroh Endorser und habe ein schönes Customset von denen. Für "Grace" haben wir zusätzlich eine beinahe historische Snare  benutzt, eine 1920er Slingerland nur 13 mal 3 Zoll. Der Kessel war schon beinahe hinüber, aber Rockstroh hat mir da noch einmal eine ordentliche Snare daraus gebaut. Außerdem hatte Peter von Zodaique noch eine Ludwig Acrolite aus den 1970ern, die so einen wunderbaren Funk- und Soulsound besitzt. Besonders bei “My Kite II” hatte ich damit echt so Michael Jackson-Momente.

Bei der Klangerzeugung geht es auf dem Album ja viel um analoge Quellen, die statt oder manchmal auch wie digitale eingesetzt werden, hast Du so etwas auch beim Schlagzeug gemacht.

Ja. Es gibt bei "Fields" so eine Stelle, die am Ende wie eine digitale Fläche klingt, aber eigentlich analog eingespielt ist. Ich habe eine Holzmuschelkette auf die Hi-Hat gelegt und soft angespielt. Wir haben das dann als Klangfläche hochgepitcht und geloopt.

Du hast schon Peter von Zodiaque erwähnt, Du und Arpen ihr wart Anfang Juli in Berlin, um mit ihm aufzunehmen. Wie war eure Zusammenarbeit?

Das ist das eigentliche Highlight der Schlagzeugaufnahmen, die Arbeitsweise mit Peter Thomas, der nämlich nicht nur Produzent sondern auch selbst Schlagzeuger ist. Er hat mich oft ermutigt, Grooves nicht aus Samples vorzubauen, sondern einfach einzuspielen, als wäre es live. Es brauchte dann nur sehr wenige Takes, um einen Song fertigzustellen. Wir haben auch selten Overdubs benutzt, wo man also über die Aufnahme noch ein paar Highlights drüber setzt. So kommt es, dass bei “My Kite II” ein Soundcheck-Take zur Albumversion wurde. Die Aufnahme strahlte genau das aus, was den Schlagzeugsound von “Grace” auszeichnen soll: Ein gutes Feeling und Groove. Die Spuren wurden nachträglich nicht quantisiert, also nicht exakt auf den Takt gesetzt. Das Schlagzeug bleibt dadurch sehr menschlich. Mittlerweile kann ich das auch schätzen, obwohl ich eigentlich Perfektionist bin. (lacht)



Equipment im Studio

13x3" Slingerland 20er Jahre Snare, Rockstroh-restauriert
14x5" Ludwig Acrolite aus den 70ern
14x8" Rockstroh custom Snare
14x5" Pearl Sensitone Brass
20x18" Rockstroh custom Bassdrum
14x14" Rockstroh custom Floortom
12x8" Rockstroh custom Tom

19" Anatolian Ultimate 2 Crash
18" Meinl Byzance Jazz dry thin Crash
14" Paiste 602 Pre-Serial aus den 60ern

diverse Percussion:
z.B. Holz-Muschelkette, Metall-Muschelkette, Shaker, Schellenring, Woodblock etc.

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